#Geldanlage
Viele Menschen spüren, dass die gesetzliche Altersvorsorge allein künftig nicht ausreichen wird, um den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand zu sichern. Gleichzeitig sorgen die anhaltend niedrigen Leistungen klassischer Sparformen dafür, dass immer mehr Menschen nach Alternativen suchen. Wir haben uns mit Robin Tuchel, Leitung Finanzen & Strategie innerhalb der Geschäftsführung der Versicherungstherapeuten, darüber ausgetauscht, wie man langfristig Vermögen aufbauen kann, ohne dabei unnötig hohe Risiken einzugehen.
Robin, viele Kunden fragen sich: ETF-Rentenversicherung oder Fondsdepot – was ist besser?
Tuchel: Diese Frage höre ich häufig. Meine Antwort lautet meistens: Es ist keine Entweder-oder-Frage. Beide Lösungen haben ihre Berechtigung und erfüllen unterschiedliche Zwecke. Entscheidend ist nicht das Produkt, sondern das Ziel, das der Kunde verfolgt.
Wird eigentlich in unterschiedliche ETFs investiert?
Nein, in der Regel kommen dieselben Fonds wie zum Beispiel der MSCI World zum Einsatz. Die wichtigsten Unterschiede liegen daher meist in der steuerlichen Behandlung, Vererbung und den Versicherungsleistungen.
Für wen eignet sich eine ETF-Rentenversicherung besonders?
Eine ETF-Rentenversicherung spielt ihre Stärken vor allem bei sehr langfristigen Anlagezielen aus. Wenn Eltern beispielsweise für ihre Kinder einen Grundstock für die Altersvorsorge aufbauen möchten, sprechen wir oft über Laufzeiten von 30, 40 oder sogar 50 Jahren. In solchen Zeiträumen können die steuerlichen Vorteile und die Möglichkeit einer späteren lebenslangen Rentenzahlung sehr interessant sein.
Und wie sieht es mit den Kosten aus? Es gibt das Vorurteil, dass vor allem Versicherungen daran verdienen?
Natürlich verursacht der Versicherungsmantel auch Kosten. Die genaue Höhe hängt vom gewählten Tarif, Laufzeit und der Fondsauswahl ab und sollte im Einzelfall immer dem aktuellen Kosteninformationsblatt entnommen werden. Dafür hat man jedoch auch eine Reihe von Vorteilen.
Und die wären?
Ein wesentlicher Vorteil ist die steuerliche Behandlung. Innerhalb einer ETF-Rentenversicherung können Fondswechsel in der Regel erfolgen, ohne dass dabei sofort Steuern auf Kursgewinne anfallen. Außerdem kann bei einer Auszahlung nach mindestens zwölf Jahren Vertragslaufzeit und ab dem 62. Lebensjahr unter bestimmten Voraussetzungen nur die Hälfte des Gewinns steuerpflichtig sein. Hinzu kommt die Möglichkeit, später eine lebenslange Rente zu beziehen.
Und wann ist eher ein Fondsdepot zu empfehlen?
Ein Fondsdepot eignet sich hervorragend für den mittel- bis langfristigen Vermögensaufbau, wenn Flexibilität im Vordergrund steht. Wer beispielsweise Kapital für einen späteren Immobilienkauf oder den allgemeinen Vermögensaufbau ansparen möchte, profitiert von der jederzeitigen Verfügbarkeit des Vermögens. Das Depot bietet hier oft die größere Freiheit. Anleger können jederzeit über ihr Vermögen verfügen, den Anbieter wechseln oder die Anlagestrategie anpassen. Diese Flexibilität ist insbesondere dann wertvoll, wenn das Geld vor dem Ruhestand für andere Ziele benötigt werden könnte.
Bedeutet das, dass Kunden sich für eine Lösung entscheiden müssen?
Nein, ganz im Gegenteil. In vielen Beratungsgesprächen kommen wir zu dem Ergebnis, dass eine Kombination sinnvoll ist. Die ETF-Rentenversicherung kann den langfristigen Baustein für die Altersvorsorge bilden, während über ein Fondsdepot parallel frei verfügbares Vermögen aufgebaut wird.
Was ist Kunden zu raten, die gerade erst mit dem Vermögensaufbau beginnen?
Zunächst sollte man sich fragen: Wofür spare ich eigentlich? Geht es um die Altersvorsorge, um die finanzielle Zukunft der Kinder oder um Vermögen, das in zehn oder fünfzehn Jahren verfügbar sein soll? Erst wenn das Ziel klar ist, lässt sich die passende Strategie festlegen. Die beste Lösung ist selten das eine oder das andere Produkt – sondern die Lösung, die zum persönlichen Lebensplan passt.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt eine allgemeine Information dar und ersetzt keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung. Die tatsächliche steuerliche und wirtschaftliche Wirkung hängt vom jeweiligen Einzelfall, Tarif und Vertragsdatum ab.
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